Neues Gesetz: Nationalbibliothek soll Netzinhalte archivieren
Heute schon gelacht? Kann noch kommen
Ich hab das nicht mitbekommen, aber dieses Land begibt sich wirklich zunehmend an die Schwelle des Wahnsinns:
Welches Echo würde jemand finden, der öffentlich die Absicht bekundete, sämtliche Webzines, Wikis, Diskussionsforen, Newsticker, Ratgeber- und Nachschlage-Angebote des deutschen Internet komplett zu archivieren, und zwar mit all ihren wechselnden Inhalten? Wenn derjenige dann auch noch ernsthaft betonte, er lege es darauf an, dass all dies auf eine Zeitspanne von mindestens einhundert Jahren verfügbar sein solle, würden selbst Freunde verrückter Ideen ein Lachen kaum noch unterdrücken können.
Die Vorstellung, die wie ein Musterbeispiel aus dem Projektkatalog der sagenhaften Schildbürger klingt, hat jedoch einen durchaus ernsten Hintergrund – nämlich das Gesetz über die Deutsche Nationalbibliothek (DNBG), das seit 29. Juni dieses Jahres in Kraft ist und das frühere Gesetz über die Deutsche Bibliothek (DBG) abgelöst hat. Das DNBG enthält den Auftrag an die Deutsche Nationalbibliothek, neben gedruckten sowie auf Ton- und Datenträgern gespeicherten „Medienwerken“ auch solche, die in „unkörperlicher Form“ vorliegen, der Nachwelt zu erhalten. § 3 Nr. 3 des Gesetzes sagt, dass damit „alle Darstellungen in öffentlichen Netzen“ gemeint sind.
zu finden hier: Heise-Artikel
Das wichtigste Detail habe ich vergessen: alle “Veröffentlicher” sind dazu verpflichtet, die Daten für die Nationalbibliothek bereitzuhalten. Falls man sich “weigert”, kost das (bis zu) 10.000€. Was “bereithalten” heisst, weiss leider auch die Nationalbibliothek nicht so genau. Ein nettes Fon-Interview dazu ist zu hören in Folge 14 von “Computerclub 2″ – übrigens ein lohnender Podcast
Ein Wolfgang fragte irgendwann während des Interviews Vorwurfsvoll-irritiert: “Wissen sie eigentlich, dass wir 10 Millionen .de-Domains haben?”. Darauf der Mensch von der DNB: “Tja, aber äh… wir archivieren heute schon 1000 Schriftdokumente pro Tag, das wird schon äh… irgendwie gehen”. Do the math. Vor allem, weil sich Blogs und Co ja auch nieee ändern, so wie die Textdokumente…



October 27th, 2006 at 09:01
Einer von uns darf als den ganzen Mist, den wir hier von uns geben, ausdrucken und nach Berlin, Leipzig oder Frankfurt schicken. Aus Gründen der Effizienz (weil wegen vor Ort) schlage ich Mart vor.